Bange machen gilt nicht

Unter der Überschrift „Angst und bange“ erschien heute in der Dill-Zeitung ein Leserbrief von Herrn P., in dem er sich auf den Film „Fitna“ von Geert Wilders bezieht. Über dieses Machwerk eines niederländischen Rechtspopulisten wurde vor knapp zwei Wochen in den Medien berichtet. Der Film wird nur im Internet verbreitet, kein Sender war bereit, ihn im Fernsehen zu zeigen. Gewaltsame Proteste seitens radikaler Muslime wurden befürchtet, diese sind aber ausgeblieben.

Tatsächlich ist „Fitna“ ein gefährlicher Film, weil er nicht aufklärt, sondern aufhetzt. Es ist ein Film, der Feindbilder schafft. Geert Wilders setzt den Islam mit Gewalt gleich, vergleicht den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“, ruft dazu auf, ihn zu verbieten. Ein gefährliches Unterfangen, das an Volksverhetzung grenzt. Wir Deutschen haben die Folgen derartiger Machenschaften in der Vergangenheit zur Genüge erlebt.

Was mich an Herrn P.s Leserbrief besonders betroffen macht ist, dass er im letzten Absatz ebenfalls Ängste schürt: 2007 soll es bereits 54 Millionen Muslime in Westeuropa geben. Diese Zahl ist weit übertrieben. Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge leben in Westeuropa zwischen 11 und 12 Millionen Muslime. Das sind knapp 3 Prozent der Gesamtbevölkerung . Ist das eine Bedrohung für unsere Freiheit, wie Herr Wilders befürchtet?

Herr P. schreibt weiter: „Sicher sind die wenigsten radikale Islamisten, aber auch sie könnten eines Tages von Despoten ins fanatische Lager gezogen werden“. Was für ein Szenario: Osama Bin Laden oder ein anderer „Despot“ ruft zum Jihad auf und alle Muslime Westeuropas werden zu Fanatikern, die Ungläubige zur Konversion zwingen oder abschlachten, Ehebrecher steinigen, Homosexuelle umbringen.

Herr P. fragt am Ende seines Leserbriefs: „Und was sagen unsere Kirchen und die Politik? Baut mehr Moscheen! Wem wird da nicht angst und bange?“ Tatsächlich soll der Bau von Moscheen der besseren Integration der muslimischen Bevölkerung in unsere Gesellschaft dienen. Sie haben ein Recht darauf, ihren Glauben nicht nur in Hinterhof-Moscheen zu leben, sondern in würdigen Gotteshäusern, die auch als solche erkennbar sind. Darum haben sich Herr Schäuble, die beiden großen Kirchen und auch der Zentralrat der Juden in Deutschland für den Bau von Moscheen ausgesprochen. Natürlich muss sich eine Moschee — wie jedes Gebäude — in das geschichtlich gewachsene Stadtbild einfügen und Bedenken der Nachbarn müssen in Ruhe besprochen werden. Angst und bange werden muss uns aber nicht.

Ängste — wie sie Herr Wilders mit seinem Film schürt — können wir nur dadurch überwinden, dass wir einander besser kennen lernen. Dazu kann der Besuch einer Moschee am „Tag der offenen Moschee“ dienen, oder auch einer Veranstaltung zum Thema „Interreligiöser Dialog“, wie sie auch in unserer Gegend immer wieder angeboten werden. Oder indem wir einfach mal unsere muslimischen Nachbarn einladen und mit ihnen ins Gespräch kommen.

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