Ludwig Harms: Erweckungsprediger und Missionsgründer

Heute ist der Todestag des Erweckungspredigers und Begründers der Hermannsburger Mission Ludwig Harms, der am 5.5. 1808 als Pfarrerssohn in Walsrode geboren wurde und am 14.11. 1865 in Hermannsburg verstarb. Eine gute Gelegenheit, sich mit dem Leben dieses beeindruckenden Mannes zu beschäftigen.

Beeindruckt hat mich vor allem seine Sprachbegabung. Sein Bruder schreibt in seiner Lebensbeschreibung folgendes:

Das Latein sprach er wie seine Muttersprache. Im Griechischen und Hebräischen war er so zu Hause, daß er – wie er mir selbst gesagt – das griechische niederschreiben konnte, was ihm hebräisch gesagt wurde. Er lernte Italienisch, um Dante in seiner Sprache lesen zu können; Spanisch, um den Cervantes recht zu verstehen; Neugriechisch, um es mit dem Altgriechischen vergleichen zu können; Sanskrit, um die uralten Schriften der Inder zu verstehen, die ihn sehr anzogen; Englisch und Französisch verstand er ohnehin.

Ludwig Harms studiert auf Wunsch seines Vaters Theologie, gerät aber durch den damals herrschenden rationalistischen Geist in große Zweifel. Gegen Ende seines Studiums hat er ein Bekehrungserlebnis, ausgelöst durch das Wort Jesu aus dem hohepriesterlichen Gebet: „Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Joh 17, 3) Später schreibt Harms:

Ich habe mich als ein stolzer Mensch gebeugt unter Gottes Wort; ich habe meine Vernunft gefangengenommen, und so habe ich den Herrn Christus gefunden. So muß ihn jeder suchen.

Trotz seiner vielfältigen Begabungen dauert es noch ein paar Jahre, bis Harms eine Pfarrstelle bekommt. Erst einmal arbeitet er als Privatlehrer, zunächst bei dem Kammerherrn von Linstow in Lauenburg (Elbe), später bei dem Landbaumeister Pampel in Lüneburg. Im Oktober 1844 wird er zum Hilfsprediger in Hermannsburg ernannt. Aufgrund eines Bittgesuchs seiner Gemeinde an das Konsistorium in Hannover wird er endlich im Oktober 1849 zum Pfarrer der Gemeinde Hermannsburg ernannt.

Harms spricht die Sprache der Menschen, hält Hausversammlungen in Plattdeutsch ab. Eine Anzahl seiner Erzählungen und Bibelauslegungen in plattdeutscher Sprache hat sein Bruder Theodor unter dem Titel „Honnig. Vertelln und Utleggen in sin Modersprak von Louis Harms“ herausgegeben. (BBKL)

Harms’ Predigten haben Folgen. Die folgende Bemerkung fand ich auf der Webseite des Evangelisch-Lutherischen Missionswerks in Niedersachsen (ELM):

So soll in einem Bericht der örtlichen Polizeistation die Bemerkung zu finden sein, dass für Hermannsburg zwei Gendarmen weniger benötigt werden, seit der Prediger Louis Harms dort wirkt.

Auch die Mission war Harms ein Anliegen:

Er machte sich auch ernsthafte Sorgen um die „armen Heiden in Afrika, die dringend der Erlösung bedürfen”. In langen Gottesdiensten und Plattdeutsch gehaltenen Hausversammlungen, zu denen die Menschen oft von weit her anreisten, hat Harms die Bereitschaft zur Mission in der Bevölkerung angelegt, bis eines Tages junge Bauernsöhne zu ihm kamen und ihn baten, dass er sie zu den Heiden nach Afrika senden möge. Harms wollte nur gut ausgebildete lutherische Theologen nach Afrika senden. Er konnte aber keine Universität, kein Predigerseminar finden, das seine jungen Männer, die durchweg nur Dorfschulbildung vorzuweisen hatten, aufnahm. So gründete er kurzerhand das Missionsseminar in Hermannsburg und nahm die Ausbildung selbst in die Hand, indem er seine „Zöglinge” in einem geschenkten Bauernhaus gemeinsam mit seinem Bruder unterrichtete. (ELM)

Von den kirchlichen Behörden bekommt er wenig Unterstützung. Das BBKL schreibt:

Von Anfang an erstrebte H. die Eingliederung seiner Missionsanstalt in die Landeskirche, „da ja die Heidenbekehrung ein echt kirchliches Werk ist und erst durch die Bestätigung der Kirchenbehörde die rechte Weihe empfangen kann“. An das Konsistorium in Hannover schrieb er 1850: „Der innigste Wunsch meines Herzens ist nur, mit der Kirche, der ich von ganzer Seele angehöre, auch in bezug auf das Missionshaus in organische Verbindung zu treten.“ Aber all seine Bemühungen scheiterten daran, daß das Konsistorium in dem Hermannsburger Missionswerk nur eine „Privatunternehmung“ sah, auch als es schließlich sich bereit erklärte, das Aufsichtsrecht über das Vermögen der Anstalt zu übernehmen.

Harms gibt dennoch nicht auf. Um die Missionare nach Afrika zu bringen, lässt er sogar ein Schiff, die „Kandaze“ bauen, das am 28.10. 1853 seine erste Fahrt nach Afrika antritt. Missionsstationen entstehen in Südafrika, später auch in Indien.

Die Hermannsburger Mission wächst und besteht bis heute weiter, wenn auch heute unter anderem Namen: 1977 ist das Evangelisch-lutherische Missionswerk in Niedersachsen (ELM) aus der “Missionsanstalt Hermannsburg” hervorgegangen:

Derzeit ist das Missionswerk in dem 8000-Seelen-Ort Hermannsburg der größte Arbeitgeber. Über 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in 12 Länder der Erde entsandt. Dazu gehören Theologen, medizinisches Personal, Pädagogen, Landwirte und Verwaltungsfachleute. Diese werden aber nicht einfach so in die Welt geschickt. In Lateinamerika, Südafrika, Botsuana, Malawi, Äthiopien, Zentralafrika, Indien und Sibirien gibt es selbständige Kirchen, die teilweise aus der Missionsarbeit vor über 100 Jahren entstanden sind. (ELM)


Eine ausführliche Beschreibung der Lebensgeschichte von Ludwig Harms findet man im Biografisch-Bibliografischen Kirchenlexikon (BBKL).Einen Brief und eine Predigt von Ludwig Harms kann man auf Glaubensstimme.de nachlesen.

Weitere Informationen:

Webseite der Arbeitsgemeinschaft „Plattdüütsch in de Kark“

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Eine Antwort

  1. Hi there,
    ich wollte Dir nur kurz sagen, dass dieser Blogeintrag der Grund dafür ist, dass die Texte von Ludwig Harms in der Glaubensstimme mittlerweile deutlich ausgebaut wurden und weiter ausgebaut werden. Vielen Dank dafür an Dich – ich hätte mich sonst erst einmal gar nicht weiter um diesen wichtigen Autor gekümmert.

    Gruß & Segen,
    Andreas

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