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Happy birthday, Ulla!

Ursula Wiesemann

(Foto: Wycliff e.V.)

Heute ist der 75. Geburtstag der Sprachwissenschaftlerin, Bibelübersetzerin und ehemaligen Leiterin des Seminars für Sprachmethodik der Wycliff-Bibelübersetzer, Frau Prof. Dr. Ursula Wiesemann. Weil ich sie seit vielen Jahren persönlich kenne, darf ich sie „Ulla“ nennen.

Ursula Wiesemann wurde am 29. Mai 1932 in Berlin geboren. Als eines von sechzehn Kindern eines Pastors wuchs sie in einer Großfamilie auf. Da gab es viel zu tun. Aber sie merkte schon früh, dass Hausarbeit nicht „ihr Ding“ war. Als junges Mädchen ging sie ins Ausland: zunächst als Au Pair nach England, später auf eine Bibelschule in der Nähe von Lausanne, danach auf eine weitere Bibelschule in die USA.

In den USA lernte sie die Wycliff-Bibelübersetzer kennen, ein Missionswerk, das dort in den 30er Jahren gegründet worden war. In den 50er Jahren begann sich die Organisation auch für Mitarbeiter aus anderen Ländern als den USA zu öffnen. Nach dem Besuch von Linguistikkursen und einem Dschungelcamp wurde Ursula Wiesemann eines der ersten deutschen Mitglieder.

1962 wurde in Deutschland der Wycliff e.V. gegründet. In diesem Jahr wurde auch zum ersten Mal das Seminar für Sprachmethodik durchgeführt, ein deutscher Ausbildungskurs für zukünftige Bibelübersetzer.Ursula Wiesemann war Mitbegründerin von beidem und wurde eine der ersten von Deutschland ausgesandten Wycliff-Mitarbeiterinnen.

Von 1958 bis 1978 arbeitete sie unter den Kaingang-Indianern in Brasilien, übersetzte für sie das Neue Testament, entwickelte Lesematerial, bildete einheimische Lehrer aus und studierte nebenher Linguistik, Phonetik und Ethnologie an der Universität Köln, wo sie 1966 ihren Doktortitel erhielt.

Später arbeitete sie als Linguistik-Professorin in Kamerun (1980-1986) und Benin (1988-1994). Sie entwickelte dort das Lehrmaterial für eine ganze Reihe praktisch angelegter Linguistik-Seminare und -Workshops, betreute Sprachprojekte und einheimische Übersetzer.

Von 1994 bis zu ihrem „Ruhestand“ in 2002 leitete sie das Seminar für Sprachmethodik in Burbach-Holzhausen. Doch hat sie sich seither noch lange nicht zur Ruhe gesetzt. Sie reist noch immer regelmäßig nach Brasilien, wo sie an der Revision des Neuen Testaments in der Kaingang-Sprache und an der Entwicklung einer neuen Orthographie für das Hunsrückische beteiligt ist, einem deutschen Dialekt, der in Brasilien von deutschen Auswanderern gesprochen wird.

Ursula Wiesemann ist Autorin von zahlreichen Fachbüchern und -artikeln auf Deutsch, Englisch, Französisch und Portugiesisch. Die Themen dieser Publikationen umfassen Phonologie, Entwicklung von Orthographien, Morphologie, Textanalyse und Sprachlernmethodik. Daneben hat sie aber auch im christlichen Bereich publiziert, z.B. „Mission und Menschenrechte„, „Die Indios, meine Freunde“ und ein Buch über ihren Kaingang-Sprachassistenten und väterlichen Freund „Pedrinho„.

Ursula Wiesemann hat ganze Generationen von Übersetzern, Linguisten und Lehrern ausgebildet, geprägt und motiviert. Ich selbst habe sie 1980 bei einer Interessentenfreizeit der Wycliff-Bibelübersetzer in Burbach-Holzhausen kennengelernt. Ich war beeindruckt von dieser gebildeten Frau, die dort in einer kleinen Holzhütte wohnte und sich die Zeit nahm, uns zu beraten und unsere Fragen zu beantworten. Sie war es, die mich dazu ermutigte, Afrikanistik zu studieren, was ich dann von 1981 bis 1986 auch getan habe. Wichtige Weichen meines Lebens wurden durch sie gestellt. Ich habe sie seither immer wieder mal in Holzhausen oder in Ewersbach getroffen, wo sie seit vielen Jahren lebt, und dabei immer von unseren Gesprächen profitiert. Ich durfte einige ihrer Bücher Korrektur lesen und sie nahm meine Verbesserungsvorschläge gerne an. Auch das hat mich beeindruckt: Ursula Wiesemann ist trotz ihres Wissens und ihrer ungeheuren Produktivität immer ein sehr bescheidener Mensch geblieben.

Ulla, ich bin froh dich zu kennen und danke dir für alles, was ich von dir empfangen habe. Ich wünsche dir heute einen schönen Geburtstag und noch ein langes, fruchtbares Leben.

Alle, die Ulla kennen und diesen Beitrag in meinem Weblog lesen, bitte ich, einen kurzen Kommentar als Gruß an sie zu schreiben.

Mehr zum Thema:

Geschichte der Wycliff-Bibelübersetzer (PDF, 900 kB)

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7 Antworten

  1. Hallo Ulla,
    Auch von uns alles Liebe zum Geburtstag. Schön, dass Uwe dran gedacht hat und uns benachrichtigt hat, sonst hätten wir es nicht gewusst!

    Gottes Segen und viel Gesundheit für dich,

    Corinna & Andreas

  2. Liebe Ulla,

    Gern schließen wir uns den guten Wünschen an. Alles Gute zum Geburtstag!
    Sei gesegnet, Du, die Du so vielen von uns zum Segen geworden bist.

    Mit einem herzlichen „Schalom“,
    Oliver & Dorothea

  3. Liebe Ulla,

    Gott gebe dir – auch in diesem besonderen Jahr – viele gute Begegnungen mit wunderschönen Erinnerungen und bleibenden und prägenden schönen Eindrücken,
    die dir mit Gottes Hilfe die Kraft schenken, das leidenschaftlich weiter zu tun, was du schon seit Jahrzehnten machst: Gott mit deiner ganzen Persönlichkeit zu ehren!

    Gott mit dir!
    Herzlich, deine Henselings

  4. Heute ist dieser Beitrag auch auf der neu gestalteten Website des Wycliff e.V. erschienen:
    http://www.wycliffe.de/content/view/143/31/

  5. Liebe Frau Dr. Wiesemann,

    ich vermute nicht, dass Sie sich an mich erinnern. Aber ich erinnere mich an Sie, Sie haben in unserem Haus (Bodo Kaiser, die freie Gemeinde war in unserem Haus damals beheimatet) in Hilgen, Wermelskirchen/Burscheid damals kurz für einen Vortrag gewohnt, als ich noch recht klein war. Meine Erinnerung ist vier, aber vermutlich war ich etwas älter. Im Rahmen eines Forschungsprojektes über behinderte Frauen wurde ich intensiv zu meiner Biographie befragt und dabei habe ich Sie genannt, immer wieder habe ich Sie als die geannnt, die mein Leben sehr früh nachhaltig und tief geprägt hat. Der Wunsch nach Bildung, der Hunger, den ich bei Ihnen spürte, den habe ich wohl auch immer gespürt, die Achtsamkeit, Behutsamkeit und das genaue Hinsehen, was meint ein Mensch, wenn er etwas sagt und auch die Bereitschaft, immer wieder irgendwo alleine und neu anzufangen und sich in eine neue Welt einzugliedern. Alles das haben Sie tief in mein Leben geprägt und ich habe es nie vergessen. Ich wollte deshalb immer auch selbst Misionarin werden, bin etwas anderes geworden, aber meine Liebe zur Sprache und zur Bildung und vor allem zum Hinsehen und genauen Verstehen von dem, was Menschen sagen, ist geblieben. Ich wollte Ihnen das einfach mal erzählen, und würde mich sehr freuen über einen kleinen Kontakt, einfach, weil Sie für mein Leben die erste Mentorin waren, als ich noch klein war.

    Ganz liebe Grüße Ute Kaiser

  6. Olá Dra. Ursula
    Tenho saudade de você. Felicidades.
    um abraço. Célia Ribeiro

  7. Prezada Ursula Wiesemann,
    eu sou pastor da Igreja Luterana trabalhando na Igreja da Baviera em Schwandorf. Aqui, como deves saber, temos uma parceria com o Trabalho do COMIN junto aos Kaingang em Guarita.
    Gostaria muito de ter contato com a Senhora.
    SE possível retorne no meu e-mail: mm@luteranos.com.br
    Atenciosamente
    Milton Jandrey

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