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Volxbibel-Autor Martin Dreyer zu Gast in Langenaubach

VolxbibelAm Mittwochabend war Martin Dreyer, der Autor der „Volxbibel„, einer Übertragung der Bibel in die Jugendsprache, zu Gast bei der Evangelischen Kirchengemeinde Langenaubach. Er kam mit etwas Verspätung, doch das nahm ihm keiner der zahlreichen Zuhörer übel, denn der 42jährige erzählte leidenschaftlich und ansteckend von seinem Glauben, seiner Arbeit mit Jugendlichen und als Übersetzer der Volxbibel, aus der er zwischendurch Passagen vorlas.

Dreyer hatte viel zu erzählen und gab dabei viel Persönliches von sich selber preis: In Hamburg geboren und aufgewachsen, geriet er als junger Mann zunächst in die Punker- und Drogenszene. Dann kam er zum Glauben und machte radikal Schluss mit seiner Vergangenheit. Er wurde Pastor und gründete in den 90er Jahren in Hamburg die Jesus Freaks. Nach einer weiteren Ausbildung als Therapeutischer Berater und einem Studium der Sozialpädagogik lebt er jetzt in Köln, wo er unter anderem als pädagogischer Mitarbeiter in einem Jugendzentrum arbeitet.

Die Idee, die Bibel in jugendgemäße Sprache zu übersetzen, kam Dreyer im Umgang mit den Jugendlichen in Köln: „Ich unterhalte mich viel mit den Kids und komme dabei schnell auf die Frage nach Gott. Die Jugendlichen haben viele Fragen, aber sie suchen die Antworten nicht in der Bibel, weil das für sie nur ein altes und verstaubtes Buch ist.“

Um den Jugendlichen die Bibel näher zu bringen, fing Dreyer an, einige Bibeltexte in die Alltagssprache der Jugendlichen zu übertragen. Im Laufe des Jahres 2004 wurde daraus die Volxbibel als ganzes Neues Testament verfasst. Dreyer bemühte sich, die Aussagen des Neuen Testamentes so auszudrücken, dass ein Jugendlicher von heute sie versteht. Dabei werden biblische Geschichten und Bilder in die heutige Zeit übertragen. Die bekannte Aussage „Ihr seid das Salz der Erde“ (Matthäus 5,13) übersetzte Dreyer zum Beispiel so: „Ihr seid wie Kühlschränke für diese Welt, ohne euch würde alles Gute vergammeln. Wenn dieser Kühlschrank aber nicht mehr funktioniert, gehört er auf den Schrott, wo er verrotten soll.“

Zum Teil findet auch eine Sprache Verwendung, die man normalerweise nicht mit der Bibel in Verbindung bringt und die viele anstößig finden. Zum Beispiel lautet eine der Seligpreisungen in der Volxbibel so: „Wenn ihr verarscht oder gelinkt werdet oder man Gerüchte über euch verbreitet wegen mir, dann könnt ihr darüber froh sein. Feiert und habt keine Angst, denn nach dem Leben werdet ihr dafür ganz fett absahnen.“ (Matthäus 5,11.12)

Schnell hagelte es Kritik: Schon in den ersten Tagen nach der Veröffentlichung der Volxbibel erhielt Dreyer mehr als 600 Protest-Mails, eine Webseite gegen die Volxbibel wurde im Internet eingerichtet, es wurde zum Boycott und sogar zur Verbrennung der Volxbibel aufgerufen. Man bezeichnete sie als „gotteslästerlich“ und „hingerotzte Gossensprache“. „Diese Kritik tat sehr weh“, so Dreyer, „doch es gab auch ermutigende Erfahrungen und positive Stimmen“. Zum Beispiel die einer Anhängerin der Dark Wave-Szene, die die Volxbibel in die Hand bekam, nicht mehr aufhören konnte, darin zu lesen und schließlich zum Glauben fand. Oder der junge Mann, der von seinem Vater viele Jahre misshandelt, nachts nicht mehr richtig schlafen konnte, bis er anfing die Volxbibel zu lesen und Gott als liebenden Vater kennen lernte.

Positiv äußerte sich auch ein Religionslehrer, der erlebte, dass seine Schüler im Unterricht wieder zuhören, seit er die Volxbibel verwendet. Ja, selbst Papst Benedikt XVI. dankte Dreyer in einem Brief für sein „Engagement für die Verbreitung der Frohen Botschaft Jesu Christi unter den Menschen von heute“, auch wenn „es nach Überzeugung der katholischen Kirche sowohl bei der Evangelisierung, wie auch erst recht im Gottesdienst und im katechetischen Gebrauch immer der Grundlage einer treuen, den Sprachstil bewahrenden Übersetzung des biblischen Textes bedarf.“

Die Volxbibel sieht auch Dreyer nur als Einstieg, am Ende des Buches finde sich darum auch ein Hinweis auf genauere Übersetzungen. Das Projekt Volxbibel ist noch nicht abgeschlossen. Schon jetzt gibt es eine überarbeitete „Volxbibel 2.0″, bei der einige der anstößigen Formulierungen entschärft wurden. Und im Internet gibt es ein „Volxbibel-Wiki„, bei der die Leser — ähnlich wie bei Wikipedia — Übersetzungsvorschläge einbringen können, die dann mit Theologen diskutiert und in einer neuen Auflage berücksichtigt werden. Übersetzt werde außerdem auch das Alte Testament, denn nur auf dessen Grundlage könne man das neue Testament richtig verstehen. Für Schmunzeln sorgte eine bereits verfasste Übersetzung des bekannten Psalm 23, die Dreyer im Rap-Stil vorlas.

Nach dem Vortrag hatten viele der Zuhörer Fragen und Einwände, so zum Beispiel, ob man die Volxbibel wirklich als „Bibel“ bezeichnen könne und ob man statt von einer „Übersetzung“ nicht lieber von einer „Übertragung“ der Bibel in die heutige Zeit sprechen solle. Dreyer ging auf alle Fragen ein und warb um das Verständnis und die Unterstützung der Zuhörer: „Das Projekt Volxbibel ist ein Experiment, bei dem auch schon mal etwas schief gehen kann. Ich brauche Ihr Gebet.“

martin-dreyer.jpgNach der Veranstaltung nutzten viele Zuhörer die Gelegenheit, Exemplare der Volxbibel zu erwerben und von Martin Dreyer signieren zu lassen (Foto: Frank Leissler).

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und steht auf der Internetseite der Evangelischen Kirchengemeinde Langenaubach als MP3-Datei zur Verfügung. Fotos von der Veranstaltung findet man bei Flickr.

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5 Antworten

  1. Danke für den Bericht! Ist ein guter Überblick über den Abend.

  2. Gern geschehen. Mir hat der Abend sehr gut gefallen, es war schön, Martin Dreyer mal persönlich kennen zu lernen.

    Hier kann man übrigens die Weihnachtsgeschichte nach der Volxbibel hören, gelesen von Martin Dreyer:

    http://www.podcast.de/episode/253166/Die_Weihnachtsgeschichte_in_der_Volxbibelversion_aus_dem_Lukasevangelium

  3. Hier stand ein beleidigender Kommentar

  4. @david

    Lieber David, leider musste ich deinen Kommentar löschen, weil er beleidigende Äußerungen enthielt. Diese konnte ich schon aus rechtlichen Gründen nicht so stehen lassen.

  5. […] der Volxbibel, gelesen von Volxbibel-Autor Martin Dreyer  Foto: © BerndBast / […]

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