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Warum evangelische Christen Brot für die Welt unterstützen sollten

Ein Interview mit Frau Dr. Ute Greifenstein (Download als PDF, 23kb)

ute_greifenstein.jpgDie 50. Aktion Brot für die Welt wird für unsere Landeskirche, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), am 1. Advent 2008 in der Evangelischen Kirchengemeinde Ewersbach eröffnet. Aus diesem Anlass führte Pfr. Ulrich Schmidt, einer der beiden Pfarrer dieser Kirchengemeinde, ein Interview mit Frau Dr. Ute I. Greifenstein, Beauftragte für Brot für die Welt im Zentrum Ökumene der EKHN. Dieses Interview erscheint in der Ausgabe April/Mai 2008 des Gemeindebriefs der Evangelischen Kirchengemeinde Ewersbach.

Frau Dr. Greifenstein, warum kümmert sich die Evangelische Kirche um Menschen in der so genannten Dritten Welt, wir haben hier doch auch genug arme Leute?

Leider wird immer wieder versucht die Armen bei uns gegenüber den Armen in den Ländern des Südens gegeneinander auszuspielen. Ich kann nur darum bitten bei diesem Spiel nicht mitzumachen. Sollten wir in einen Wettbewerb treten, würden wir sowieso verlieren, da die Kirche sehr viel für Bedürftige bei uns macht, angefangen bei Obdachlosenspeisungen bis hin zu Erziehungsberatung, eben die ganze Bandbreite diakonischer Hilfe. Zudem existiert ja auch noch die staatliche Hilfe. Davon abgesehen sind bei uns alte Leute oder Kinder glücklicherweise nicht dazu gezwungen auf dem Markt heruntergefallenes Getreide und Bohnen vom Boden aufzuheben, um sich davon zu ernähren. In der Dritten Welt können sie solche Szenen leider nur allzu häufig erleben. Außerdem hat Jesus uns geboten, uns um unsere Nächsten zu kümmern, auch um unsere Brüder und Schwestern in Übersee.

Warum sollen wir als Evangelische Christen ausgerechnet Brot für die Welt unterstützen, was ist das besondere?

Zunächst muss man sagen, dass Brot für die Welt nicht nur die Spendenorganisation ist, die im evangelischen Bereich nachhaltige Entwicklung unterstützt und für eine sehr erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit steht. Brot für die Welt ist eine Aktion der Evangelischen Landes- und Freikirchen, und damit eine Institution von uns allen, die wir uns der Evangelischen Kirche verbunden fühlen. Das ist für viele von uns Grund genug Brot für die Welt zu unterstützen. Aber abgesehen von der Loyalität, gegenüber dem eigenen Werk, die ich mir mehr wünschen würde, ist Brot für die Welt deshalb unterstützenswert, weil das A und O der Hilfe von Brot für die Welt die Hilfe zur Selbsthilfe ist. Brot für die Welt gibt vor allem Starthilfe durch Bildung und Ausbildung in allen Lebensbereichen, sei es in der Erziehung, der Landwirtschaft, im medizinischen Bereich, bei der Gründung von Handwerk und Kleingewerbe oder der Verteidigung allgemeiner, wirtschaftlicher und sozialer Menschen- und Bürgerrechte. Die Projekte, die unterstützt werden, sind in der Regel solche, die mehrere Aspekte in sich vereinigen. So erhalten die Menschen bei Landwirtschaftsprojekten nicht nur Informationen darüber, wie sie besser anbauen, düngen, Pflanzenschutz betreiben und ihre Waren besser vermarkten können. Sie haben auch die Gelegenheit Lesen und Schreiben zu lernen, erhalten Unterricht in Hygiene und werden darüber informiert wie sie HIV/ AIDS vermeiden können und ähnliches mehr. Bei Bewässerungsprojekten stellt man den Menschen nicht eine Zisterne hin, sondern die Menschen lernen Zisternen selbst zu bauen und/oder ihre Tiefbrunnen gemeinschaftlich selbst zu warten und zu reparieren. Das sind nur ein paar Dinge, wie die Hilfe zur Selbsthilfe aussieht. Wir wollen, dass die Menschen zu aktiven Gestaltern ihrer Lebensumstände werden. Biblisch gesehen halten wir uns an das Bild des barmherzigen Samariters, der das Wichtige und Richtige tut. Er hilft dem Verletzten auf die Beine und sorgt für seine Gesundung.

Brot für die Welt ist eine große Organisation, da haben die Menschen häufig das Gefühl, dass zuviel Geld in die Verwaltung fließt, außerdem haben viele das Beispiel UNICEF im Kopf.

Zunächst einmal sind wir Brot für die Welt und nicht UNICEF. Wir haben eine ganz andere Struktur. Bei uns gibt es keinen Geschäftsführer mit soviel Macht. Wir haben den AÖD (Ausschuss Ökumenische Diakonie), ein Gremium in dem unter anderem die Nordelbische Bischöfin Bärbel Wartenburg-Potter als hohe Kirchenvertreterin neben Dr. Gisela Schneider vom Deutschen Institut für ärztliche Mission oder Prof. Dr. Lothar Brock von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung die Politik von Brot für die Welt bestimmen und dafür kein Geld bekommen. Und wirklich groß ist Brot für die Welt leider nicht — im katholischen Bereich gibt es gleich drei Organisationen: Misereor, Missio und Adveniat. Zusammengenommen verfügen die drei über wesentlich mehr Geld als Brot für die Welt. Wir sind nur sehr bekannt. Deshalb besitzt Brot für die Welt auch das Siegel des dzi (Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen), das Spendenorganisationen auf ihren Umgang mit Geldern überprüft. Brot für die Welt war außerdem im letzten Jahr beim Transparenz­wettbewerb von Price Waterhouse und Coopers immerhin an siebter Stelle von 43 teilnehmen­den Organisationen. Jeder kann durch den Jahresbericht mit seinen Einnahmen- und Ausgabenrechnung, der auch im Internet veröffentlicht ist, überprüfen, wie viel Brot für die Welt für Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit und Projektarbeit ausgibt. Testiert wird die Ein- und Ausgabenrechnung von unabhängigen Wirtschaftsprüfern. Wer allerdings glaubt, dass eine gute Organisation und damit meine ich eine Organisation, die nicht nur sehr viele Menschen unterstützt und auch eine gewisse politische Schlagkraft und Anerkennung bei uns und in den Ländern des Südens hat, ohne Verwaltung auskommen kann, ist mehr als naiv. Nur eine gute Verwaltung und Kontrolle der Gelder gewährleistet eine gute Arbeit – hier bei uns ebenso wie in den Ländern unserer Projektpartner. Wer behauptet, dass Gelder direkt und ohne Verwaltung an den Mann oder die Frau kommen sollte eher kritisch beäugt werden.

Ich will doch noch einmal nachhaken. Auch wenn nicht soviel in die Verwaltung fließt, was ist mit den vielen Plakaten, die man überall sieht und den Zeitungsannoncen. Das kostet doch alles unheimlich viel.

Das ist gut, dass sie das ansprechen. All diese Plakate und Annoncen kosten uns keinen Pfennig. Natürlich fallen bei den Plakaten Druckkosten an. Die Hängung jedoch kostet gar nichts. Die Annoncen werden bei den Zeitungen von den Layoutern in die Leerstellen platziert und bei den Plakaten werden Plakate von Hilfsorganisationen aufgehängt, wenn die Plakatwände sonst leer blieben. Dass die Unternehmen das machen, dafür sind wir ihnen sehr dankbar.

Vielen Dank, Frau Greifenstein. Da die landeskirchliche Eröffnung der 50. Aktion Brot für die Welt in unserer Gemeinde stattfindet, werden wir in nächster Zeit ja noch öfter etwas zu und über Brot für die Welt hören.

(Quelle: Ausgabe April/Mai 2008 des Gemeindebriefs der Evangelischen Kirchengemeinde Ewersbach, Nachdruck mit freundlicher Genehmigung)

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