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Missionsweg Nord-Nassau ist eröffnet

Uwe Seibert)

Das neue Logo des Missionsweg Nord-Nassau (Foto: Uwe Seibert)

Rund 40 Wanderer haben am Samstag, 20. September 2008, den neu geschaffenen „Missionsweg Nord-Nassau“ eröffnet. Dazu eingeladen hatten die Evangelischen Dekanate Bad Marienberg und Dillenburg und die Vereinte Evangelische Mission (VEM) in Wuppertal. Der mit einem eigenen Logo ausgeschilderte Wanderweg führt von der Evangelischen Kirche in Liebenscheid über Rabenscheid und Langenaubach nach Haiger. Er folgt dabei größtenteils dem Rothaarsteig und informiert über Missionarinnen und Missionare aus der Propstei Nord-Nassau, der nördlichsten Propstei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Die Idee zum Missionsweg Nord-Nassau entstand im Dekanat Bad Marienberg, anlässlich des 40. Todestags von August Theis im Jahr 2008. Der 1874 in Haiger geborene August Theis war als Missionar der Rheinischen Missionsgesellschaft ab 1903 als erster im Simalungungebiet östlich des Tobasees in Nordsumatra tätig. Er ist dort noch heute als „Apostel der Simalungun“ bekannt, ähnlich wie Ludwig Ingwer Nommensen bei den Toba-Batak.

Bürgermeister Roland Lay, der Bürgermeister der Gemeinde Breitscheid, informiert die Wanderer über die wirtschaftliche Bedeutung des Rothaarsteigs. Links Dekan Martin Fries (Dekanat Bad Marienberg), der Initiator des Missionswegs Nord-Nassau (Foto: Uwe Seibert)

Dekan Martin Fries kam die Idee, mit einem Wanderweg an die Arbeit des Missionars zu erinnern und zugleich die Beziehung zwischen den Menschen im Westerwald und in Nordsumatra zu intensivieren. Diese Idee fand Anklang bei der aus der Rheinischen Missionsgesellschaft und der Bethel-Mission hervorgegangenen Vereinten Evangelischen Mission (VEM) in Wuppertal.

Weitere Recherchen von Dekan Fries im Archiv der VEM ergaben, dass seit 1840 eine Vielzahl von Missionarinnen und Missionaren aus dem Westerwald und dem Dillkreis im Dienst der Rheinischen Missionsgesellschaft in Asien und Afrika tätig waren. Allein aus den Dörfern in unmittelbarer Nähe des Missionsweges stammen 12 Männer und Frauen, die den Aufbruch gewagt haben. An diese Männer und Frauen, die hierzulande weithin in Vergessenheit geraten sind, erinnert jetzt der Missionsweg. Die Ausschilderung wie auch die gesamte Vorbereitung erfolgte in Absprache mit dem Westerwaldverein. Informationstafeln am Weg geben dem Wanderer Orientierung über den Verlauf des Wegs und die Missionare.

Am Samstag konnten die Wanderer je nach Lust und Kondition an drei Stationen starten. Einige Wanderer starteten um 9.00 Uhr in der Evangelischen Kirche in Liebenscheid. Nach einer kurzen Andacht führte der Weg zunächst nach Rabenscheid, wo um 11 Uhr in der evangelischen Kirche weitere Wanderer dazu kamen. Nach einem weiteren geistlichen Impuls ging es weiter nach Langenaubach.

Uwe Seibert)

Eine kurze Rast auf dem Missionsweg (Foto: Uwe Seibert)

Nach der Hälfte der Wegstrecke, kurz vor Langenaubach, wartete ein Verpflegungsstand, der dort von der Evangelischen Jugend des Dekanats Bad Marienberg aufgebaut worden war. Von dort aus konnten die Wanderer zwischen zwei Wegvarianten wählen. Die eine führte über den Rothaarsteig, die alte Rheinstraße über die Höhen hinweg nach Haiger, die andere am Aubach entlang durch das Tal nach Haiger. Fast alle Wanderer entscheiden sich für die längere und schwierigere „Bergstrecke“ und wurden durch eine wunderschöne Wanderstrecke für ihre Mühe entlohnt.

Unterwegs auf dem Missionswanderweg Nord-Nassau: Die Wanderer auf der "Bergstrecke" zwischen Langenaubach und Haiger (Foto: Uwe Seibert)

Einen dritten Startpunkt gab es um 12.30 Uhr bei der alten Kapelle in Langenaubach. Wanderer, die sich keine langen Wege zumuten konnten oder wollten, hatten die Gelegenheit, von dort aus knapp fünf Kilometer barrierefrei am Aubach entlang zur Evangelischen Kirche in Haiger zu gehen. Gegen 15 Uhr trafen die letzten Wanderer in Haiger ein. Dort war seit 14 Uhr das Evangelische Gemeindehaus neben der Stadtkirche geöffnet und lud die Wanderer zu Kaffee und Kuchen ein.

Im Anschluss an die Wanderung gab es im Gemeindehaus eine Nachmittagsveranstaltung. Neben der Erinnerung an die Missionarinnen und Missionare, die in ihrer Zeit den Aufbruch gewagt hatten, ging es auch darum, was Mission heute bedeutet. Ein Posaunenchor mit Bläsern aus Allendorf, Emmerichenhain und Langenaubach begleitete die gemeinsam gesungenen Lieder.

Dekan Martin Fries informierte die Wanderer und die zusätzlich gekommenen Gäste über die Zielsetzung des Missionswegs: „Wanderer können sich mit der Missionsgeschichte auseinander setzen, aber auch über Aufbrüche im eigenen Leben nachdenken.“ Der Missionsweg lade Wanderer auf dem Rothaarsteig, dem Westerwaldsteig und anderen Wegen ein, neben der wunderschönen Natur auf den Spuren der Missionare auch einen Einblick in einen wichtigen Bereich des kirchlichen und sozialen Lebens der Menschen in der Region zu nehmen.

Angedacht sei, den Missionsweg weiter auszubauen, denn es gebe viele weitere Missionare auch aus anderen Teilen der Region, an die erinnert werden könnte. „Der Weg schafft Verbindungen“, so Fries, „er verbindet Gestern und Heute, Länder und Kirchengemeinden, Alt und Jung.“

Propst Michael Karg lobt das Engagement von Dekan Martin Fries: "Nord-Nassau wird jetzt in der ganzen Welt bekannt". (Foto: Uwe Seibert)

Pfarrer Michael Karg, der Propst der Propstei Nord-Nassau, lobte das Engagement von Martin Fries, der dieses Projekt als Lokomotive voran getrieben hätte. Wanderer könnten auf dem neuen Missionsweg nun das Logo der EKHN zusammen mit dem der VEM sehen und darunter den Text ‚Missionsweg Nord-Nassau‘. Die Propstei Nord-Nassau werde so jetzt in der ganzen Welt bekannt.

Eine noch lebende Nichte des Missionars August Theis berichtete von den Erlebnissen ihres Onkels. Das Leben in Sumatra vor 100 Jahren sei aufregend und gefährlich gewesen: einmal habe August Theis sogar einen Tiger erlegt, nachdem dieser seine Hühner gefressen hatte.

Eine Nichte des Missionars August Theis erzählt von den Erlebnissen ihres Onkels (Foto: Uwe Seibert)

Der Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission, Dr. Fidon Mwombeki (Tansania) lobte den Einsatz und die Durchhaltekraft der früheren Missionare: „August Theis ging nicht zurück, als seine erste Frau starb und er mit vier kleinen Kindern allein dastand.“ Heute werde über die Missionare — vor allem in Europa — oft schlecht geredet. Man nenne sie in einem Atemzug mit Kolonialisten. In Afrika und Asien sei man aber dankbar für das, was sie geleistet hätten und könne sie sehr wohl von den Kolonialisten unterscheiden.

Dr. Fidon Mwombeki, der Generalsekretär der Vereinten Evangelischen Mission (Foto: Uwe Seibert)

Dr. Mwombeki berichtete auch über die aktuelle Arbeit der heutigen Vereinten Evangelischen Mission. Diese 1996 entstandene Missionsgemeinschaft besteht aus 34 Landeskirchen in Deutschland, Afrika und Asien und den von Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel. In ihr wird der Missionsauftrag, der allen Christen gegeben ist, gemeinsam und partnerschaftlich mit Leben gefüllt: „Alle Kirchen haben Gaben und alle haben Bedürfnisse“, so Mwombeki.

Als anschauliches Beispiel dafür, dass Mission heute keine „Einbahnstraße“ mehr ist, war auch der tansanische Pfarrer Yoram Karusya nach Haiger gekommen, einer der beiden Pfarrer der Kirchengemeinde Waldgirmes bei Wetzlar. Auch er lobte die gute Arbeit der früheren Missionare.

Dekan Roland Jaeckle (Dekanat Dillenburg), Dr. Fidon Mwombeki (VEM) und Dekan Martin Fries (Dekanat Bad Marienberg) sprechen gemeinsam den Segen. (Foto: Uwe Seibert)

Gegen 17 Uhr endete die Nachmittagsveranstaltung mit Fürbitte und Segen, gemeinsam gesprochen von Dekan Roland Jaeckle (Dekanat Dillenburg), Dr. Fidon Mwombeki (VEM) und Dekan Martin Fries (Dekanat Bad Marienberg) . Anschließend wurden die Wanderer mit einem eigens dafür bestellten Bus zurück zu ihren Startorten gebracht und nahmen die vielen Eindrücke des Tages mit.

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