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Dreieinhalb Wochen in Nigeria

Vor drei Wochen bin ich zurück gekommen von einem Kurzaufenthalt in Nigeria und heute will ich mir endlich die Zeit nehmen, den Lesern dieses Blogs ein wenig Anteil zu geben an dem, was ich dort getan und erlebt habe.

Angefangen hat alles mit einer Email von Katy Barnwell, einer über 70jährigen Missionarin aus England. Katy arbeitet schon seit 1963 — in diesem Jahr wurde ich geboren! — für die Wycliff Bibelübersetzer, vor allem in Nigeria. Ich lernte sie 1988 in England kennen, sie gab mir damals nützliche Tipps für meinen ersten Aufenthalt in Nigeria.

In ihrer Email lud Katy Barnwell mich ein, bei einem Workshop mitzuarbeiten. Es ging dabei darum, für einige Sprachen Nordostnigerias eine Orthographie zu entwickeln. Die meisten der über 500 (!) Sprachen Nigerias (es sind wirklich nicht nur Dialekte einer Sprache, sondern eigenständige, zum Teil sehr unterschiedliche Sprachen) haben bisher noch keine Orthographie und werden nur gesprochen, aber nicht geschrieben.

Seit ein paar Jahren entwickelt Katy das so genannte „Luke Partnership“ Projekt, ein neues Konzept, mit dem man die Gründung neuer Bibelübersetzungsprojekte beschleunigen will. „Luke Partnership“ nennt es sich, weil zunächst das Lukas-Evangelium übersetzt wird. In mehreren Workshops lernen die Teilnehmer in drei Jahren die Prinzipien der Bibelübersetzung und übersetzen nach und nach das Lukas-Evangelium, das dann als Grundlage für eine Synchronisation des bekannten Jesus-Films dienen soll. „Luke Partnership“ nennt es sich, weil verschiedene Missionswerke daran beteiligt sind, unter anderem die Seed Company (ein amerikanischer Ableger der Wycliff Bibelübersetzer), das Jesus Film Projekt und in Nigeria auch das Great Commission Movement.

Natürlich muss eine Sprache, bevor man in ihr Texte drucken kann, erst mal eine Orthographie haben. Darum ging es in dem Workshop, an dem 30 Teilnehmer aus neun Sprachen teilnahmen. In Unterrichtseinheiten und praktischen Übungen haben wir uns drei Wochen lang damit beschäftigt, welche Laute es in diesen Sprachen gibt, mit welchen Buchstaben man sie schreiben könnte, welche Wörter man zusammen schreiben sollte und welche getrennt, und anderes mehr. Die Ergebnisse haben wir aufgeschrieben, dabei ist ein kleines Buch entstanden. Damit gehen die Teilnehmer nun in ihre Sprachgruppen, um die Ergebnisse zu testen.

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Teilnehmer des Workshops während einer Unterrichtseinheit (Foto: Uwe Seibert)

Natürlich kann man in einem kurzen Workshop nicht alle Fragen lösen, viele Ergebnisse bleiben vorläufig. Aber man kann doch in kurzer Zeit eine ganze Menge schaffen, vor allem wenn mehrere Sprachen gleichzeitig an einem solchen Workshop teilnehmen. Dabei entsteht eine ganz intensive Arbeitsatmosphäre, gleichzeitig haben alle viel Spaß an der Gemeinschaft und an immer neuen Entdeckungen. Viele Teilnehmer des Workshops waren sehr gebildet, aber mit Sprachwissenschaft hatten sich die meisten noch nie beschäftigt.

Jede Sprache hatte einen „facilitator“, also jemand, der den Teilnehmern geholfen hat, die angesprochenen Fragen zu bearbeiten. Ich war zuständig für eine der „tschadischen Sprachen“ (die zum Teil im Tschad, vor allem aber in Nordnigeria und in Nordkamerun gesprochen werden). Mit Sprachen dieser Sprachfamilie habe ich mich früher schon beschäftigt, während meiner Arbeit an der Universität Frankfurt.

Ich war der einzige facilitator aus Deutschland, die anderen kamen aus USA, England, Ungarn und Nigeria. Es war eine schöne Erfahrung, in einem solchen interkulturellen Team mitzuarbeiten. Es war eine intensive Zeit, ich hatte mehr als genug zu tun. Dennoch hat es mir gut getan, denn Sprachen zu studieren ist meine größte Leidenschaft. Schön war auch, mal wieder einige unserer Bekannten in Nigeria zu treffen, wo wir von 1998-2000 als Familie gelebt haben.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich das Konzept des Luke Partnership Projekts für den nigerianischen Kontext sehr gut geeignet finde, weil die Ziele absehbar sind und in relativ kurzer Zeit und ohne allzu großen Aufwand erreicht werden können. Bei traditionellen, langfristig angelegten Bibelübersetzungsprojekten gibt es oft das Problem, dass einheimische Mitarbeiter erst lange und kostspielig geschult werden und dann nach einigen Jahren wieder ausfallen. Manchmal weil sie besser bezahlte Jobs gefunden haben (leider werden sie von ihren Sprachgemeinschaften nicht immer ausreichend für ihre Tätigkeit entlohnt), manchmal weil sie krank werden oder bei Verkehrsunfällen sterben (Beispiele dafür gibt es in Nigeria leider auch sehr viele), manchmal auch aus anderen Gründen. Durch dieses und andere Probleme können Übersetzungsprojekte sich über viele Jahre hinziehen und am Ende ist bei allen Beteiligten „die Luft raus“.

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2 Antworten

  1. Unter http://www.youtube.com/watch?v=SxmC51zVRXo gibt es einen englischsprachigen Video über das Anliegen der Seed Company

  2. Bei der christlichen Video-Community GodTube findet man noch einiges mehr:

    http://www.godtube.com/theseedcompany/

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