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„Konfessionsverbindende Paare sind kein Problemfall, sondern ein Modell“

Letzte Woche fand im Pfarrsaal der Katholi­schen Kirchengemeinde Ewersbach ein Candlelight Dinner für „konfessionsverbindende Paare“ statt. Eingeladen hatte dazu ein ökumenisches Vorbereitungsteam im Rahmen des Projektes „Bereitschaft zu Bewegung“, das im vergangenen Jahr vom Limburger Bischof Tebartz-van Elst angestoßen wurde.

Laut einer Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur vom 30.3.2010 hat mittlerweile „jeder Dritte der vor einem katholischen Traualtar erscheint, einen nichtkatholischen Partner an der Seite“ Auch in unserer Region leben sehr viele konfessions­verbindende Paare.

Lange Zeit war es ein Problem, einen Partner zu heiraten, der einer anderen Konfession angehört. Pater Andreas Reichwein erinnerte daran, dass erst vor 40 Jahren, am 31. März 1970, Papst Paul VI. das Papier Matrimonia Mixta („gemischte Ehen“) unterzeichnete, das die heute noch gültige kirchenrechtliche Grundlage für Ehen über Konfessions- und Glaubensgrenzen hinweg darstellt. Bis dahin hatte das katholische Kirchenrecht verlangt, Gläubige von sogenannten „Mischehen“ möglichst abzuhalten.

Dabei bilden gerade konfessionsverbindende Ehen ein wichtiges Modell für die Ökumene. Das voneinander Lernen, sich miteinander Arrangieren und gemein­same Gehen von unterschiedlichen Wegen innerhalb und zwischen den Konfessionen sind wichtige Erfahrungen für die Paare selbst, aber auch für Gemeinden und Kirchen. Doch bis heute erleben konfessionsverbindende Paare Grenzen, zum Beispiel bei der Frage der gemeinsamen Teilnahme an der Kommunion bzw. Abendmahlsfeier.

Einblicke in ihre konfessions­verbindende Ehe und ihre Schwierigkeiten mit kirchlichen Anforderungen und Grenzen gab das Ehepaar Dr. Gabriele und Dr. Christoph Gaukel aus Friedberg. Beide engagieren sich im Rahmen des „Netzwerk Ökumene“ für Konfessionsverbindende Paare und Familien in Deutschland.

Pater Andreas Reichwein und das Ehepaar Gaukel (Foto: Uwe Seibert)

Kennen gelernt hatten sich die katholische Rheinländerin und der evangelisch-reformierte Schwabe bei einem Studenten-Bibelkreis in Aachen. Ausgerechnet bei einem Ehevorbereitungsseminar sei es dann nicht möglich gewesen, zusammen an der Kommunion teilzunehmen. Während ihrer Ehe seien auch immer wieder Fragen aufgekommen, zum Beispiel im Blick auf den Gottesdienst: „Eine Zeit lang  besuchten wir jeden Sonntag zwei Gottesdienste, um beiden Konfessionen gerecht zu werden.“

Auch die Taufe der Kinder sei ein wichtiges Thema gewesen. Sie hätten entschieden, ihre Kinder nicht als Säuglinge taufen zu lassen, sondern ihnen freizustellen, nach welchem Ritus sie getauft und gefirmt bzw. konfirmiert werden wollten. Zwei ihrer Kinder hätten sich dann katholisch taufen lassen und zwei evangelisch.

Ähnliche Erlebnisse wie das Ehepaar Gaukel hatten viele der anwesenden Paare, von denen zwei schon seit über 40 Jahren verheiratet waren. Als Fazit blieb dennoch am Ende die Feststellung: „Konfessionsverbindende Paare sind kein Problemfall, sondern ein Lernfeld für die Ökumene“.

Das Candlelight Dinner in Ewersbach war der Auftakt einer Reihe von drei Abenden für konfessions­verbindende Paare im Pastoralen Raum Dillenburg.  Die Fortsetzung bildet ein ökumeni­sches Podiumsgespräch, das am 29. April um 19.30 Uhr im Pfarrsaal der Katholischen Kirchenge­meinde Dillen­burg stattfindet. Dort sollen Themen wie Taufpraxis, gemeinsame Teilnahme an der Kommunion und anderes mehr weiter diskutiert werden.

Als theologische Fachleute sind dazu als evangelischer Vertreter Pfr. Jörg Bickelhaupt, Beauftragter für interkonfessionelle Fragen am Zentrum Ökumene der EKHN und als katholische Vertreterin Frau Brigitte Görgen-Grether vom Referat Theologische Erwachsenenbildung/Interreligiöser Dialog des Bistums Limburg eingeladen. Auch das Ehepaar Gaukel wird wieder mit dabei sein.

Eine ökumenische Tauferinnerungsfeier am 6. Mai im katholischen Pfarrsaal in Haiger bildet den Abschluss der Abende für konfessionsverbindende Paare. Dekan Roland Jaeckle und der priesterliche Leiter des Pastoralen Raum Dillenburg, Pfarrer Stefan Peter, werden die Tauferinnerungsfeier leiten.

Eingeladen sind zu beiden Abenden alle Interessierten, auch die, die nicht am Candlelight Dinner in Ewersbach teilgenommen haben.

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