Propst Michael Karg tritt in den Ruhestand

Foto: Privat

Pfarrer Michael Karg, der noch amtierende Propst für Nord-Nassau, wird am Sonntag, 29. Mai, 16 Uhr, in einem Gottesdienst in der Stadtkirche Herborn offiziell in den Ruhestand verabschiedet. In den letzten Jahren hatte auch ich öfter mit Propst Karg zu tun, denn gerade für die Ökumene und die Mission hat er sich engagiert eingesetzt. Mein Kollege Holger Jörn Becker-von Wolff hat einen Text über ihn geschrieben, den ich hier wiedergebe. Die Links habe ich eingefügt.

Am Ende finden Sie noch ein paar Blogbeiträge zu Veranstaltungen, bei denen ich in den letzten Jahren mit Propst Karg zusammengekommen bin.

 Mehr Zeit haben für seine Enkel, mal wieder regelmäßiger Trompete spielen und überhaupt mit dem Motorrad die Heimat erkunden, das hat sich Pfarrer Michael Karg fest für seinen Ruhestand vorgenommen. Und auch als Theologe möchte er hin und wieder in Erscheinung treten. Sicher ist auch, dass der Vorsitzende der Martin-Niemöller-Stiftung sich weiter gesellschaftspolitisch engagieren wird. Allerdings heißt es zuvor Abschied nehmen: Der Propst für Nord-Nassau wird offiziell am Sonntag, 29. Mai, 16 Uhr, in einem Gottesdienst in der Stadtkirche Herborn in den Ruhestand verabschiedet.

Für Pfarrer Michael Karg ist das Amt des Propstes für Nord-Nassau keine reine Verwaltungsarbeit gewesen. Karg, der im Mai 65 Jahre wird, hat in den zurückliegenden elf Jahren ein hohes Arbeitspensum auf sich genommen. Viel war er unterwegs, zu Ordinationen und zu Festgottesdiensten in den evangelischen Kirchengemeinden. Über 30.000 Kilometer hat er jährlich im ländlichen Raum zwischen Selters und Vogelsberg, zwischen Biedenkopf und Runkel zurück gelegt. Nun ist damit Schluss. Den Dienstwagen hat er bereits abgegeben. „Ich fahre jetzt einen Kleinwagen“ sagt Michael Karg und schmunzelt. Die Rückkehr in das bürgerliche Leben steht unmittelbar bevor.

Für Humanität und Demokratie, Solidarität und Frieden, Dialog und Versöhnung setzt sich die Martin-Niemöller-Stiftung in Wiesbaden ein. Alles Themen, die ihrem Vorsitzenden Michael Karg in der Amtszeit als Propst sehr bedeutsam waren. Er galt als Mahner, Vertreter unbequemer Positionen und als Brückenbauer zwischen Kulturen und Religionen. Sehr engagiert hat er sich für die Ökumene und die Mission eingesetzt: So war er für die EKHN Delegierter bei der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), einer Gemeinschaft von 34 Kirchen aus drei Erdteilen. Regelmäßig hat er Pfarrerinnen und Pfarrer aus der EKHN zu Pastoralkollegs mit unterschiedlichen Themen eingeladen: Beispielsweise zur Situation der Kirche in Siebenbürgen, zum interreligiösen Dialog in Hyderabad/Indien oder auch zu intensiven spirituellen Erfahrungen beim Pilgern auf dem Jakobsweg. Gemeinsam mit anderen gesellschaftlichen Gruppen hat er in Wetzlar vor dem Einmarsch in den Irak gewarnt und öffentlich gegen den Krieg demonstriert.

Er galt bisweilen als Querdenker, zumal er auch unpopuläre Themen angesprochen und den Widerspruch ausgehalten hat. Der Beschluss des Bundestages zur Frage gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften im Jahr 2001 und das Votum des Leitenden Geistlichen Amtes sowie die Diskussion und der dann folgende Beschluss der Kirchensynode zu dieser Frage verursachten im Bereich der Propstei Nord-Nassau weitaus größere Auseinandersetzungen als in anderen Gebieten der EKHN. Der Propst war in dieser Zeit oft angepeiltes Ziel vieler Zuschriften und Leserbriefe – abgeheftet in sechs übervollen Aktenordnern, die im Keller der Propstei lagern.

Seine Vision war stets die missionarische Volkskirche: „Den Menschen nah sein, Flagge zeigen gegen Untoleranz und auch für unpopuläre Entscheidungen gerade stehen und gerade dadurch das Evangelium zu bezeugen“. Das hat Michael Karg sicher getan und dabei nicht nur Zustimmung bekommen.

Der Theologe hat sich für den Erhalt des Sonntags als Feiertag ausgesprochen und war gegen eine schleichende Erweiterung der Ladenöffnungszeiten – sei es zur Weltmeisterschaft oder bei den „verkaufsoffenen Sonntagen“. Bereits in seiner Zeit als Dekan hat er einer kurdischen Familie Kirchenasyl gewährt und sie so vor der Abschiebung bewahrt. Die Partnerschaft zu einer Kirchengemeinde im Norden Ghanas thematisierte er noch vor dem Beginn der sogenannten Globalisierungsdebatte; er widmete sich immer wieder Fragen der weltweiten Gerechtigkeit.

Darüber hinaus vertritt er im Integrationsbeirat des Lahn-Dill-Kreises die Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) sowie die katholische Kirche. „Die 54 Wochenarbeitsstunden, die in der EKHN für Pfarrerinnen und Pfarrer vorgesehen sind, reichten da manchmal bei weitem nicht aus“, sagt Karg und schmunzelt. „Natürlich gab es darunter auch viele Sitzungstermine“, sagt er, „am liebsten waren mir aber die Begegnungen mit Menschen“.

Karg übergibt sein Amt an die Nachfolgerin Annegret Puttkammer: „Die Propstei Nord-Nassau bekommt eine Pröpstin, die viele Potentiale mit sich bringt. Es wäre für die Propstei und die Gesamtkirche gut, wenn der Dienst ihr Raum ließe zur Entfaltung dieser Potentiale“. Der Gottesdienst zu seiner Verabschiedung in der Stadtkirche Herborn wird gleichzeitig ihre Einführung in das Amt sein, sozusagen ein Stabwechsel.

Hintergrund Propstei in der EKHN

In der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gibt es sechs Propsteien. Pröpstinnen und Pröpste haben Sitz und Stimme in der Kirchenleitung. Zusammen mit dem Kirchenpräsidenten und der Stellvertreterin wirken sie mit an der geistlichen Orientierung – insbesondere in ihrem Propsteibereich. Sie beraten die Kirchengemeinden bei Pfarrstellenbesetzungen und führen die Pfarrerinnen und Pfarrer in ihre Ämter ein. Sie ordinieren die angehenden Pfarrerinnen und Pfarrer, sie visitieren die Gemeinden und haben die Dienstaufsicht über die Dekaninnen und Dekane. Der Propsteibereich Nord-Nassau umfasst etwa 250.000 Mitglieder und 200 Pfarrerinnen und Pfarrer, das Gebiet der Propstei Nord-Nassau erstreckt sich über sechs Landkreise in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und einem kleinen Zipfel in Nordrhein-Westfalen. Das obere Edertal, das hessische Hinterland, das Lahn-Dill-Gebiet, der Westerwald und der Vordertaunus prägen das abwechslungsreiche Landschaftsbild.

Zur Person:

Michael Karg wurde am 25. Mai 1946 in Gelsenkirchen geboren. Nach dem Abitur 1965 folgte er den Fußstapfen seines Vaters und studierte in Bethel, Heidelberg und Marburg Theologie und einige Semester Pädagogik. Nach dem Examen 1970 trat er seinen Dienst in der EKHN mit dem Vikariat in der Thomasgemeinde Gießen an. Sein Spezialpraktikum absolvierte er im Bereich Katechetik.

Die Ordination in seiner ersten Pfarrstelle in Großen-Buseck-Oppenrod (Dekanat Kirchberg) erfolgte am 12. November 1972. Nach 16 Jahren wechselte er 1988 in die Kirchengemeinde Gießen-Kleinlinden, wo er seit 1991 zusätzlich das Amt des stellvertretenden Dekans und nach Teilung des Dekanats Gießen (seit 1994) das Amt des Dekans im Dekanat Schiffenberg versah.

In diese Zeit fiel auch die Gewährung eines 20-monatigen Kirchenasyls für eine kurdische Familie durch die Kirchengemeinde, die für ihr Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung bekannt war. Die Partnerschaft zu einer Kirchengemeinde im Norden Ghanas thematisierte noch vor dem Beginn der sog. Globalisierungsdebatte Fragen der weltweiten Gerechtigkeit.

In beiden Gemeinden brachte sich Pfarrer und Dekan Michel Karg mit seiner Trompete in den jeweiligen Posaunenchor ein – ein Hobby, das er bis heute beibehalten hat. Im Bereich Gießen war er außerdem Mitbegründer der Notfallseelsorge.

Die EKHN-Kirchensynode wählte ihn auf ihrer Herbstsynode 1999 zum Propst für Nord-Nassau. Er versieht dieses Amt dort seit dem 1. März 2000. In den ersten Jahren galt das Hauptaugenmerk dem hartnäckigen Versuch, die Vakanzquote in einigen Dekanaten Nord-Nassaus von über 30% auf erträglichere Zahlen zu senken. Inzwischen gibt es auch in Nord-Nassau kaum noch länger andauernde Vakanzen. (hjb)

Weitere Blogbeiträge mit Propst Karg:

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