„Kirche ist immer im Umbruch“

Mit Fragen des Aufbruchs und der Neuorientierung in der Kirche beschäftigte sich eine Ökumenische Vortragsreihe, die der Ökumenische Ausschuss der Katholischen Pfarrgemeinde und der Evangelischen Kirchengemeinde Herborn in diesem Jahr veranstaltete. Am Donnerstagabend endete die Reihe mit einem ökumenischen Gespräch zwischen Pröpstin Annegret Puttkammer (Herborn) und Prof. Dr. Werner Löser (Frankfurt), das vom neuen Dekan des Dekanats Herborn, Pfr. Andreas Friedrich moderiert wurde.

Der Hörsaal der „Hohen Schule“ in Herborn

Viele Zuhörer waren im ehemaligen Hörsaal der „Hohen Schule“ versammelt. Im Hintergrund das denkmalgeschützte Disputationsgestühl. (Foto: Uwe Seibert)

Die altehrwürdige „Hohe Schule“ – einst eine Ausbildungsstätte für reformierte Theologie – war dafür ein geeignetes Ambiente. Viele Zuhörer waren im ehemaligen Hörsaal versammelt, der noch ein altes denkmalgeschütztes Disputationsgestühl enthält.

„Kirche ist immer im Umbruch“ konstatierte die Pröpstin zu Beginn. Die Kirche heute sei eine andere als zur Zeit der Apostel, der Reformation, oder auch im vergangenen Jahrhundert. Sie forderte die Anwesenden auf, sich davon nicht bedrücken zu lassen, denn das Wort „Kirche“ sei etymologisch verwandt mit dem griechischen Wort für „Herr“ („Kyrie“)  und dieser Herr lasse nicht zu, dass die Kirche untergeht.

Freilich gebe es zur Zeit viele Umbrüche, bedingt durch den demografischen Wandel, die Entvölkerung ländlicher Gebiete und die zunehmende Entkirchlichung und Entchristlichung unserer Gesellschaft. Dies habe Auswirkungen auf die Gewinnung von Mitarbeitern, auf die Finanzen und die Präsenz der Kirche in der Fläche. Doch könne die Kirche Umbruchzeiten auch als Aufbruchzeiten erleben, wenn sie auf Gott vertraue.

Aufbrüche gebe es an vielen Stellen. So würden in immer mehr Gemeinden Glaubenskurse angeboten, in denen Menschen die Grundlagen des christlichen Glaubens auf zeitgemäße Weise wieder neu entdecken könnten. Viele Gemeinden versuchten neue Wege, um „Kirchendistanzierte“ zu erreichen. Es sei wichtig, beweglich zu bleiben: „Mein Bild von Kirche ist kein Haus, sondern ein Zelt, das immer wieder neu aufgeschlagen wird.“

Pröpstin Annegret Puttkammer, Dekan Andreas Friedrich und Prof. Dr. Werner Löser beim ökumenischen Gespräch über Kirche im Umbruch und Aufbruch (Foto: Uwe Seibert)

Professor Löser, Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie und Superior des Jesuitenordens im Ignatiushaus in Frankfurt, erinnerte daran, dass „Kirche“ in Gestalt der verschiedenen Konfessionen – Katholisch, Evangelisch, Orthodox, Freikirchen – existiere. Jede Kirche treffe der Umbruch in ganz eigener Weise. Seine Ausführungen zeigten vor allem neuere Entwicklungen im Bereich der  Katholischen Kirche auf: neue pastorale Strukturen, Entwicklung von Mittelpunktkirchen als zentrale Orte und kleine Basisgruppen als „Biotope des Glaubens“.

Eine große Herausforderung sei auch das Spannungsfeld zwischen Anpassung und Unterscheidung, in dem die Kirche in der modernen Gesellschaft stehe. „Kirche kann erst dann wieder attraktiv werden, wenn ihr Profil erkennbar ist“, betonte Löser.

Ermutigende Aufbrüche gebe es im Bereich der Ökumene, doch die dort Engagierten erlebten leider auch viele Schwierigkeiten zwischen dem ökumenischen Handeln an der Basis und den noch vorhandenen Beschränkungen seitens der Kirchenleitung.

Im anschließenden offenen Gespräch stellten die Zuhörer viele Fragen. Diskutiert wurde das Verhältnis zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen, die Überlastung der Priester und Pfarrer durch immer mehr Verwaltungsaufgaben, der Rückzug der Kirche aus der Fläche und warum manche Kirchen – vor allem Freikirchen – gegen den Trend wachsen und andere nicht.

Gegen 21 Uhr schloss Pfarrer Ronald Lommel die Veranstaltung mit Luthers Abendsegen.

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