Besuch bei der GKPS (III)

Wir sind seit Samstag (12.9.) zurück in Deutschland. Zwischendurch war die Internetverbindung leider nicht so gut. Der Vollständigkeit halber hier noch ein kurzer Bericht darüber, was wir seit dem letzten Blogbeitrag erlebt haben.

Mittwoch, 2.9. Am Morgen fahren wir nach Sari Budolok, etwa zwei Autostunden entfernt von Pematang Siantar und rund 1400m hoch gelegen. Hier ist das Klima kühler als in Pematang Siantar, aber für uns immer noch warm. Um 12 Uhr findet dort ein Predigtvorbereitungskreis mit 40-50 Pfarrern und Gemeinde­ältesten statt. Zuerst gibt der Dekan des Bezirks Seri Budolok eine Auslegung zum Predigttext des kommenden Sonntags (Jes. 35), danach ein anderer Pfarrer eine zum Lesungstext (Mark 7). Es gibt einen kurzen Austausch dazu, danach dürfen wir uns vorstellen. Im anschließenden Gespräch werden uns viele Fragen gestellt, unter anderem auch, in wie weit uns die Lage der Christen in Indonesien bekannt sei, die von Armut und Verfolgung geprägt sei.

Am Nachmittag bekommen wir zuerst eine Genossenschaftsbank und danach ein Kaffeeprojekt der GKPS gezeigt. Kaffeebauern können dort ihre Ernte verkaufen. Die Kaffeebohnen werden dort weiter bearbeitet und dann nach Medan gebracht, von wo sie weiter nach Australien verschifft werden.

Danach fahren wir nach Sondi Raya, wo wir bis Montag auf dem Gelände des Asrama Putri, eines Mädchen- und Jungenwohnheims der GKPS untergebracht sind. Das Mädchenwohn­heim hat Schwester Elisabeth Steinhard in den 60er Jahren aufgebaut und lange geleitet. Später kam ein Jungeninternat dazu. Heute leben dort über 140 Mädchen und rund 80 Jungen. Wir sind im Haus der Leiterin Sr. Frince Purba und einem Nachbarhaus untergebracht.

Abends kommt noch Pfrin Perpetua Purba, die neue Dekanin des Bezirks Pematang Raya vorbei und wir unterhalten uns über demografi­sche Entwicklungen und die Situation der Kirche in Deutschland und Nordsumatra.

Donnerstag, 3.9. Heute machen wir einen Ausflug zum Sipisopiso-Wasserfall, ca. zwei Autostunden von Sondi Raya entfernt. Pfr. Blecker, Anette Gisse und ich steigen ein Stück weit den Berg herunter, um dichter heran zu kommen. Es gibt Treppenstufen, die dorthin führen, aber sie sind etwas ungleich gemacht und anstrengend zu laufen.

Am Nachmittag fahren wir zu einer kleinen Orangenplatane, die einem Gemeindeglied der GKPS gehört. Der Dekan des Distrikt Sari Budolok führt uns herum und wir dürfen so lange pflücken und essen, wie wir wollten. Wir pflücken noch einige Taschen voll und nehmen sie mit für die Kinder des Wohnheims.

Auf dem Rückweg machen wir einen kurzen Zwischenhalt in Pematang Purba, wo man das frühere Haus des Simalungun-Königs und andere traditionelle Häuser besichtigen kann.

Abends feiern wir dann auf dem Gelände des Wohnheims einen Gottesdienst im Gedenken an das Kommen des Evangeliums ins Simalungungebiet vor 112 Jahren. Pfr. Blecker hält die Predigt. Über 140 Mädchen und weitere Gemeindeglieder sitzen im Schneidersitz auf großen Matten. Wir dürfen zum Glück auf Stühlen sitzen.

Anschließend gibt es noch ein Treffen mit Gemeindegliedern der GKPS in Sondi Raya. Ich hatte Lertina Saragih bei der Programmplanung gebeten, dass wir uns nicht nur mit Hauptamtlichen treffen wollen und das hat sie sehr gut berücksichtigt.

Freitag, 4.9. Am Morgen sind wir zuerst im SMA, einem Gymnasium der GKPS. Wir unterhalten uns mit dem Direktor, werden durch verschiedene Räume geführt und dürfen uns mit den Schülern einer Klasse unterhalten, die gerade Chemieunterricht hat.

Danach besuchen wir das Grab von Henriette Theis, geb. Bannier, der ersten Frau von August Theis. Sie kam als „Missionsbraut“ 1904 nach Sumatra, brachte vier Kinder zur Welt und starb dort 1909 kurz nach der Geburt des vierten Kindes im Alter von nicht ganz 33 Jahren.

Von dort geht es weiter zu einer alten Holzkirche, der zweiten Kirche, die zu Zeiten von Missionar Theis in Raya gebaut wurde. Sie ähnelt sehr stark einer deutschen Kirche: So einen Kirchturm, Kanzel und Empore könnte man wohl auch bei uns finden. Eine 89 Jahre alte Frau, die mitgekommen ist, wieß noch Geschichten von damals zu erzählen: Wie ihr Vater Christ wurde und später selbst als Evangelist arbeitete und dass der Großvater lange Zeit dagegen war.

Weiter geht es zu einer weiteren alten Kirche, neben der noch ein ehemaliges Schulhaus steht, in dem August Theis unterrichtet hat.

Abends kommt noch einmal die neue Dekanin des Bezirks Pematang Raya vorbei, um mit uns zu Abend zu essen. Sie ist die Tochter von Petrus Purba, der die Bibel in Simalungun übersetzt hat und war 1988 auch die erste Pfarrerin der GKPS. Wir unterhalten uns mit ihr darüber, wie sie das erlebt hat und welche Schwierigkeiten es dabei gab.

Samstag, 5.9. Morgens gehen wir auf den Markt von Pematang Raya, danach in die Kirche, die 1903 unter August Theis als erste Kirche der GKPS gebaut wurde. Dort werden wir morgen am Festgottesdienst teilnehmen. Wir besprechen kurz mit dem Pfarrer, wie der Gottesdienst ablaufen wird und wie wir uns dort einbringen sollen.

Am Nachmittag besuchen wir das Jungen-Wohnheim in Sondi Raya. Die meisten Jungen sind zu ihren Eltern gefahren oder auf dem Markt, auch die Leiterin ist gerade unterwegs. So führt uns eine andere Mitarbeiterin über das Gelände und zeigt uns alles.

Am Abend sind wir im Mädchen-Wohnheim zum Essen eingeladen. Wir sitzen mit über 140 Mädchen und den Mitarbeitern in einem großen Raum und essen in absoluter Stille. Zum Glück bleibt es nicht den ganzen Abend so still. Im Anschluss an das Abendessen erleben wir einen Begegnungsabend mit viel Musik und Spaß. Ganz am Ende stehen die 13-17jährigen Mädchen in Trauben um uns herum und wollen sich mit uns unterhalten, Autogramme und natürlich wie immer Fotos mit uns. Wir fühlen uns wie Popstars!

Sonntag, 6.9. Heute ist das Olob-Olob-Fest, zur Feier des Kommens des Evangeliums ins Simalungunland. Wir sind zum Gottesdienst in Pematang Raya eingeladen, in der Kirche, die 1903 unter August Theis als erstes gebaut wurde. Wir treffen schon um 9.00 Uhr dort ein und sehen wie die Gottesdienstbesucher in ihren festlichen Gewänder nach und nach eintreffen. Gruppenweise kommen sie dann tanzend auf das Gottesdienstgelände. Beim Hereintanzen der Männer und der Pfarrer müssen wir auch mitmachen. Dann beginnt der Gottesdienst mit etwas Verspätung um kurz vor elf Uhr. Es wird viel gesungen, die meisten Lieder mit neueren Simalungunmelodien. Es gibt eine (ziemlich laute, aber gute) Band, es treten Chöre auf und auch wir singen der Versammlung drei Strophen von „Geh aus mein Herz“ vor.

Gegen 13 Uhr endet der Gottesdienst, danach werden Lose (in Form von gekochten Eiern mit aufgeklebten Nummern) verkauft und Nahrungsmittel versteigert. Das Geld soll für die Arbeit der GKPS verwendet werden. Ich steigere einen Kuchen für 100.000 Rupien, danach haben Pfr. Blecker und ich ein Interview mit zwei jungen Mitarbeitern vom Lokalfernsehen.

Um 14 Uhr gibt es ein leckeres Essen. Als Gäste bekommen wir zusätzlich noch ein traditionelles Simalungungericht. Überhaupt sind alle wieder unglaublich freundlich zu uns. Wir merken, dass man sich freut, uns zu sehen.

Irgendwann sind wir dann dran, uns vorzustellen und ein Grußwort zu sagen, das ich selber übernehme. Ich drücke unseren Wunsch aus, dass wir auch in Zukunft verbunden bleiben wollen.

Wir bekommen Simalunguntücher umgebunden und überreichen unsere Geschenke. Pfr. Blecker hat zwei Bildbände von der Haigerer Stadtkirche dabei. Er gibt eines dem Pfarrer und eins soll in der alten Kirche deponiert werden, damit jeder es sehen kann. Ich überreiche Taschen mit EKHN-Logo und unsere restlichen Süßigkeiten.

Gegen 16 Uhr fahren wir zurück zu unserer Unterkunft. Heute Abend soll noch ein Foto mit den Mädchen vom Wohnheim gemacht werden. Morgen geht es dann nach Tigaras und auf die Insel Samosir, wo wir uns am Ende unserer Besuchsreise einen Urlaub gönnen.

Montag, 7.9. Wir verlassen Sondiraya und fahren weiter zum Tobasee. Erst steigen wir auf über 1400 Meter, dann geht es steil hinab. Hier war früher mal ein „Supervulkan“ und der Tobasee – mehr als dreimal so groß wie der Bodensee – ist heute der größte Kratersee der Welt. Er liegt rund 900 Meter über dem Meeresspiegel.Mittendrin liegt die Insel Samosir, die etwa so groß ist wie Ibiza. Sie ist ein beliebtes Ziel für Touristen.

Unterwegs halten wir noch in dem kleinen Ort Tigaras an. August Theis ist 1903 dort vorbeigekommen und dann mit seinen Begleitern auf schmalen Trampelpfaden den steilen Weg nach Pematang Raya hinaufgestiegen. Angesichts der steilen Serpentinenstraße können wir uns jetzt ganz gut vorstellen, wie anstrengend das gewesen sein muss.

In Tigaras ist 1993 anlässlich des 90. Jubiläums der GKPS ein 8m hohes Steinkreuz aufgestellt worden. Direkt daneben steht eine Kirche, eine von drei Predigtstätten der „August-Theis-Gemeinde“ der GKPS. Immer wieder begegnen wir Spuren des Haigerer Missionars, dessen Arbeit die Menschen hier so sehr schätzen und den in Haiger kaum noch jemand kennt.

Mittags setzen wir mit der Fähre über nach Samosir und fahren einige Kilometer bis zum Ort Tuktuk, wo es viele Hotels gibt. Wir sind in einem schönen Hotel direkt am Tobasee untergebracht. Das ist ein schöner Abschluss für unsere Besuchsreise!

Dienstag, 8.9. Vormittags machen wir einen Ausflug zu einem Museum, wo man traditionelle Bataktänze gezeigt bekommt. Danach fahjren wir bei einer heißen Schwefelquelle. In der Nähe gibt es einen Ort. wo man in einem großen Becken baden konnte. Das Wasser ist allerdings sehr heiß, man kann es nicht lange darin aushalten. Auf dem Nachhauseweg fotografieren wir einige der imposanten Familiengräber, die man hier überall sieht.

Mittwoch, 9.9. Morgens fahren wir zu einem weiteren Batak-Museum, wo wir eine Führung bekommen. Danach fahren wir zum Markt in Tomok. Am Nachmittag machen wir unsere abschließende Evaluation: Vier Stunden lang reden wir über unsere Eindrücke, von dem was wir gelernt haben und wie es jetzt weitergehen soll. Es ist eine intensive Zeit. Unsere indonesische Begleiterin Lertina ist auch dabei und bedankt sich hinterher ausdrücklich dafür und auch für unsre Offenheit.

Donnerstag, 10.9. Gegen 9.00 Uhr fahren wir mit dem Boot nach Parapat und von dort zurück nach Pemantang Siantar. Gegen Mittag kommen wir an und es geht erstmal zum Geldwechseln zur Bank. Bisher hat Lertina alles vorgelegt, nun tausche ich Euro, damit ich ihr das Gled erstatten kann.

Am Nachmittag treffe ich mich mit Julinda Sipayung, einer jungen Pastorin, die in einem Projekt für misshandelte Frauen und Mädchen arbeitet. Die anderen gehn noch mal in die Stadt zum Einkaufen.

Freitag, 11.9. Heute ist unser letzter Tag in Indonesien. Morgens zeigt Lertina uns noch zwei große Kirchengebäude der GKPS, danach fahren wir zu unserem Abschiedstreffen ins Hauptquartier der GKPS. Ephorus Purba, Generalsekretär Munthe und weitere Mitarbeiter der Kirchenverwaltung sind da. Wir tauschen uns nochmal über unsere Erfahrungen aus und darüber, wie es nun mit unserer Partnerschaft weitergehen soll.

Wir bekommen als Abschiedsgeschenke Bibeln in Simalungun, und traditionelle Simalungun-Gewänder überreicht bzw. werden damit eingekleidet. Dann werden Pfr. Blecker, Anette Gisse und Karl-Heinz Ruhs in eine Marga, einen Familienverband der Simalungun aufgenommen. Pfr. Blecker gehört jetzt zur Familie Purba, Anette Gisse zu Munthe, Karl-Heinz Ruhs zu Sipayung. Ich selber gehöre ja schon seit ein paar Jahren zur Familie Saragih.

Wir essen zusammen noch einmal zu Mittag, dann brechen wir auf nach Medan. Wir sind beizeiten am Flughafen und können uns in aller Ruhe verabschieden. Gegen 20.00 Uhr geht unsere Maschine nach Singapur, gegen Mitternacht geht es dann weiter nach Frankfurt. Kurz vor 7 Uhr kommen wir dort am Samstagmorgen an, allerdings mit sechs Stunden Zeitverschiebung gegenüber Singapur.

Es war eine Reise mit vielen Eindrücken, die uns noch eine Weile beschäftigen werden. Wir sind froh und dankbar, dass alles so gut gelaufen ist und dass wir so vielen Mitgliedern der GKPS begegnen konnten. Besonders danken wir der Ökumene-Referentin Lertina, die uns auf der gesamten Reise begleitet und alle unsere Fragen geduldig beantwortet hat.

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