Bericht über eine Studienreise nach Israel und Palästina

Ich bin gerade zurückgekommen von einer Studienreise nach Israel und Palästina und bin noch erfüllt von den vielen Eindrücken. Es war keine Reise wie die üblichen „Reisen ins Heilige Land“, bei denen man die wichtigsten Stätten des Alten und Neuen Testaments gezeigt bekommt. Vieles davon haben wir auch gesehen, doch daneben haben wir auch viele interkulturelle Kindergärten, Schulen, Sozial- und Friedensprojekte kennengelernt.

Gruppenbild Israel

Unsere Reisegruppe – im Hintergrund Jerusalem. Rechts unsere beiden Reiseleiter (Foto: Privat)

Wir waren eine buntgemischte Gruppe aus Menschen mit ganz unterschiedlichen Israelerfahrungen. Einige waren schon oft da, einige selten und mehr als die Hälfte noch nie – so wie ich.

Wir sind in Tel Aviv und Jaffa gestartet. Dort hatten wir spannende Begegnungen und Gespräche in dem arabisch-jüdischen Kindergarten “Bustan Yafa”, dem Flüchtlingsprojekt „Elifelet for Refugee Kids“ und der Reformjüdischen Synagoge „Beit Daniel“.

Mit einem palästinensischen Guide ging es weiter über Cäsarea, Meggido, Haifa und Akko nach Nes Ammim, einer Gemeinschaft von europäischen Freiwilligen, jüdischen und arabischen Familien.  Ein Ausflug führte uns von dort aus zu einer „Hand in Hand-Schule“, wo jüdische und arabische Kinder in gemeinsamen Klassen zweisprachig unterrichtet werden.

Weiter ging es durch Obergaliläa und über den Golan zu einem Kibbuz am See Genezareth. Unterwegs stoppten wir bei einem zerstörten arabischen Dorf und wanderten entlang eines der Quellflüsse des Jordans. Im Dreiländereck von Israel, Libanon und Syrien hatten wir vom Bental-Berg aus einen Ausblick bis weit nach Syrien hinein.

Am folgenden Tag besichtigten wir zunächst einige christliche Pilgerstätten am West-und Nordufer des Sees Genezareth. Dann ging es über die Grenze nach Palästina, über Jenin und Zababdeh nach Nablus. Unterwegs besichtigten wir eine alte griechisch-orthodoxe Kirche in Burkin. In Zababdeh hatten wir eine beeindruckende Begegnung mit Abouna Firas Boutros Khoury, dem Pfarrer der dortigen Melkitischen Kirche.

In Nablus besichtigten wir den arabischen Markt, eine Moschee, eine traditionelle Olivenöl-Seifensiederei und den „Jakobsbrunnen“, wo Jesus einer Samaritanerin begegnete (Johannes 4). Über der Quelle ist heute eine griechisch-orthodoxe Kirche gebaut.

Auf dem Berg Garizim besuchten wir die Samaritaner. Wir sprachen mit einer Vertreterin der samaritanischen Gemeinde über das Leben dieser kleinen Religionsgemeinschaft und besuchten den über 80 Jahre alten Hohepriester in seinem Haus.

Danach fuhren wir nach Taybeh, einem kleinen christlichen Dorf, besuchten dort die einzige Bierbrauerei der arabischen Welt und probierten das berühmte „Taybeh Bier“ .

Weiter ging es nach Bethlehem, wo wir zwei Tage lang blieben. Wir besuchten die Deutsche Evangelisch-Lutherische Schule Talitha Kumi und Lifegate, eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung. Nach einem kurzen Besuch der Hirtenfelder bei Bait Sahur fuhren wir zu dem Friedensprojekt „Tent of Nations“. Wir waren beeindruckt von dem Mut des Gründers und Leiters dieses Projektes, dem palästinensischen Christen Daoud Nassar.

Wie alle Touristen haben wir natürlich auch die Geburtskirche besucht, doch die Höhlen auf den Hirtenfeldern fand ich als möglichen Ort der Geburt Jesu viel authentischer.

Bedrückend waren die vielen Mauern und Sperranlagen – zum Teil acht Meter hoch – mit denen sich die Israelis seit der zweiten Intifada gegen die Palästinenser schützen wollen. Dabei wird immer wieder palästinensisches Land annektiert.

Zuletzt kamen wir in Jerusalem an und blieben drei Tage dort. Es gab unendlich viele Dinge zu besichtigen: Ausgrabungen, Kirchen, Märkte, Tempelberg, etc. etc.

An einem Tag machten wir ein Ausflug zur Oase En Gedi, wo wir zu einem Wasserfall wanderten. Außerdem besichtigten wir die Ruinen von Qumran, badeten im Toten Meer und sahen aus der Ferne das St. Georgs-Kloster im Wadi Qelt.

Am Palmsonntag gingen wir in den Evangelischen Gottesdienst in der Erlöserkirche. Danach besichtigten einige von uns die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Das hinterließ bei uns einen tiefen Eindruck.

Am Montag ging es dann zum Flughafen Ben Gurion und zurück nach Deutschland.

Angeboten wurde diese Reise vom Religionspädagogischen Institut der EKHN und der EKKW.  Sie war bestens organisiert von unseren deutschen Reiseleitern Pfr. Matthias Ullrich und Pfr. Wolfgang Grieb.

Im Gedächtnis haften bleibt mir ein Zitat von einem der einheimischen Reiseleiter: „Wenn ihr nach dieser Reise denkt, dass ihr den Konflikt zwischen den Israelis und den Palästinensern jetzt besser versteht, dann habt ihr noch nichts verstanden.“ Wahrscheinlich muss man mehrere Male in dieses Land fahren oder eine Weile dort leben, um diese Warnung zu verstehen.

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Eine Antwort

  1. Danke Uwe. LG Inge

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